2013-09-23. MALHEUR #18.

Mal sehen, wie lange die vor neunzehn sechsundzwanzig siebenundzwanzig Stunden in die Packstation –welche mehrmals am Tag zwecks Befüllungen und Leerungen zugleich angefahren werde, heißt es– gelegte Paketsendung dort liegenbleibt.

Hier die Paketverfolgung 19 Stunden nach Einlegen des Pakets in den Automaten:

»Mehrmals am Tag« war mal Ansage der DHL-Hotline. Dann müssen die in den bevorstehenden 5 Stunden aber oft hinfahren, um nicht gelogen zu haben. Damit hat die Post gelogen. Seit neunzehn sechsundzwanzig siebenundzwanzig Stunden liegt das Paket dort in der Packstation, ohne abgeholt worden zu sein.

ERGÄNZUNG 2013-09-24:

Also. Nach rund siebenundzwanzig Stunden wurde das Paket nun aus der Packstation entnommen und drei Zigarettenlängen später sogar ins Auto gelegt, der Paketverfolgung nach zu urteilen. Der nächste Schritt werde der Transport in das von der Packstation 3,3km entfernte Paketzentrum sein, heißt es. Und zwar seit jetzt über sechs Stunden?! Seit Einlegen des Pakets in die Packstation sind 31 Stunden vergangen. In dieser Zeit hätten mehrere Fahrzeuge das Paket auflesen sollen. Ach, und: »Ihr DHL Paket kommt i. d. R. bereits am nächsten Werktag an.« M-hm? Das Paket ist in Hamburg/Lokstedt auf den Weg gebracht worden und nach 33 Stunden noch nicht einmal in Hamburg/Altona! Wie kommt die DHL auf die Idee, es hätte heute tagsüber schön in Berlin/Wedding sein können? Das wäre ja eine Durchschnittsgeschwindigkeit des gelben Zustellungswesens von 11,83km/h! Ja, ich rechne jetzt die tatsächliche Durschnittsgeschwindigkeit des Paketes seit Einlegen in die Packstation aus: 0,1km/h. Das ist ein Hundertelftel, als Zahl ⅟₁₁₁, bzw. 0,9% der für das Versprechen notwendigen Geschwindigkeit. Dies ist ein Meßfehler um neunundneunzig Prozent des Soll-Wertes und um elftausendeinhundert Prozent des Ist-Wertes.

Hier die Paketverfolgung 33 Stunden nach Einlegen des Pakets in den Automaten:

ERGÄNZUNG 2013-09-25:

Hackt’s????

Es sind jetzt 45 Stunden vergangen, seit ich das Paket, welches »i. d. R. bereits am nächsten Werktag an[kommt]«, in die Packstation gelegt habe, und das gelbe Versandwesen hat es immernoch nicht einmal bis Altona geschafft? Altona wäre ein rundes Hundertstel der von diesem Paket zurückzulegenden Gesamtstrecke, und schon dafür braucht es bisher über 45 Stunden! Das wären ja 163 Tage bei diesem Schnitt, den das Paket brauchen könnte!

Bis hier bewegte sich das Paket mit einer Langsamkeit von 0,073km/h.

Hier die Paketverfolgung 45 Stunden nach Einlegen des Pakets in den Automaten:

ERGÄNZUNG 2013-09-25:

Es sind jetzt zwei volle Tage und eine halbe Stunde vergangen, seit das Paket »i. d. R. bereits am nächsten Werktag an[kommt]«, und das Paket hat es endlich geschafft, seine erste Etappe von 3,3km zurückzulegen. 282km stehen dem Paket noch bevor.

Bei den bisherigen 0,068km/h liegt die Befürchtung nahe, daß das Paket erst in 173 Tagen, das wäre der siebzehnte März 2014, ankommt. Das ist in fast einem halben Jahr.

Hier die Paketverfolgung 48,5 Stunden nach Einlegen des Pakets in den Automaten:

ERGÄNZUNG 2013-09-26:

Kaum hat das Paket nach etwa 60 Stunden Hamburg verlassen, wurde es binnen weiterer nur 9 Stunden in Berlin/Wedding bei einem Nachbarn der Empfängerin hinterlegt. Das Paket hat jenseits Hamburgischer Stadtgrenzen, so scheint es, sehr plötzlich um den Faktor 182 beschleunigt: von bis dahin 0,167km/h auf 30,22km/h. Wenn das mal gesund ist.

2013-09-21. FUNDSTÜCK #1.

Ich zitiere einen Artikel von Lina Timm aus dem Focus: Briefwahl-Skandal: Bleiben Tausende Wähler ohne Stimme?

Die Briefwahl ist in diesem Jahr beliebt wie nie – nun häufen sich die Fälle, in denen die Unterlagen nie beim Wähler angekommen sind. Viele Briefwähler haben nun keine Chance mehr, ihre Stimme noch rechtzeitig abzugeben.
Erst bekam Markus Werner keine Wahlbenachrichtigung, dann verschwanden seine Briefwahlunterlagen auf dem Weg zu ihm. Der 37-Jährige will unbedingt wählen, aber seine Stimme scheint nun verloren. Werner sitzt im Rollstuhl, weil sein Wahllokal nicht barrierefrei ist, beantragte er die Briefwahl. »Das Wahlamt hat sie auch am 12. September verschickt, aber mein Briefkasten blieb leer«, sagt Werner. Er hakte beim zuständigen Wahlamt in Hamburg nach. »Am Telefon sagten sie mir, dass es momentan Probleme mit der Post gäbe. Bis zu zehn Tage bräuchte die Zustellung der Unterlagen.« Zu lang für die Briefwahl.

Überall im Bundesgebiet melden die Wahlämter Rekordzahlen bei den Briefwählern. Mehr als 20 Prozent der Wahlberechtigten geben in diesem Jahr statt im Wahllokal ihre Stimme per Post ab – sofern sie einen Stimmzettel bekommen. Denn einen Tag vor der Wahl melden sich immer mehr Menschen, die nie ihre Unterlagen erhalten haben. Der Hamburger Landtagsabgeordnete Dennis Gladiator, 32, kennt allein in seinem Bezirk drei Fälle, in denen Briefwahlunterlagen nicht angekommen sind. »Bei früheren Wahlen habe ich nie von so etwas gehört«, sagt Gladiator.

Briefwähler gesperrt
Markus Werner könnte nun theoretisch noch am Sonntag ins Wahllokal fahren, dort bekäme er aber Schwierigkeiten. Denn Briefwähler sind für die persönliche Wahl erst einmal gesperrt, damit niemand doppelt wählt. In Nürnberg rufen die Behörden deshalb am Freitag vor der Wahl extra noch einmal dazu auf, sich bei fehlenden Briefwahlunterlagen zu melden. »Bis Samstag, 12 Uhr, können noch Ersatzwahlunterlagen beantragt werden. Danach haben wir ein Problem«, sagt Wolf Schäfer, Wahlleiter in Nürnberg. Denn versichert der Wähler, dass er nie Unterlagen bekommen hat, muss das im Wahlamt erst überprüft werden. »Und das können wir am Sonntag kaum leisten.«

All das geht ohnehin nur persönlich. Das Nachsehen hat also, wer am Sonntag nicht in seinem Wahlbezirk ist. So wie Marleen Otten. Sie wartet schon seit dem 9. September vergeblich auf ihre Unterlagen. Die 21-Jährige beantragte die Briefwahl in Göttingen, weil sie momentan im 300 Kilometer entfernten Peheim wohnt. Vergangenen Dienstag fragte sie bei der Behörde nach, wo der Wahlzettel denn bliebe. »Es hieß, es sei alles korrekt bearbeitet worden. Der Fehler liege wohl an der Post. Da könne man nichts weiter tun«, sagt Otten.

Bundesweites Problem
Während ihre Stimme nun verloren ist, konnte Tobias Wißmann aus Frankfurt am Main sie gestern noch im letzten Moment abgeben. Er hatte die Briefwahl ebenfalls Anfang September beantragt, versandt wurde nachweislich am 12. September. Weil bis Freitag noch immer nichts ankam, lief er quer durch die Stadt zum Briefwahllokal. »Es schien, als wäre das Problem dort schon bekannt, sie hatten sofort das passende Formular parat«, sagt Wißmann. Er beantragte neue Unterlagen und wählte gleich vor Ort.
So wie Werner, Otten und Wißmann geht es anscheinend vielen Wahlberechtigten in Deutschland. Beim Kurznachrichtendienst Twitter häufen sich die Berichte von fehlenden Wahlunterlagen. Allen ist es so wichtig, zu wählen, dass sie eigens den Aufwand des Briefwahlantrags auf sich nehmen. Die Nutzer, die sich über Behörden und Post aufregen, stammen aus Hamburg, Kiel, Berlin, dem Ruhrgebiet – es scheint also ein bundesweites Problem zu sein. Doch bei der Deutschen Post kann man sich diese Schwierigkeiten nicht erklären.

»Wir haben hochmoderne Briefzentren und eine gemessene Zustellquote von 95 Prozent am nächsten Werktag«, sagt Konzernsprecher Alexander Edenhofer. Dass die Zusteller durch die erhöhte Anzahl von Briefwählern überlastet sind, schließt er aus. Sie würden jeden Tag 64 Millionen Briefe bearbeiten, zur Weihnachtszeit das Doppelte. »Da fallen die zusätzlichen Wahlbriefe nicht auf.«

Oliver Rudolf vom Hamburger Landeswahlamt weiß von verschwundenen Unterlagen nichts. »Wir haben keine signifikante Häufung festgestellt. Einzelfälle kann ich aber natürlich nicht ausschließen.« Knapp 300 000 Briefwahlunterlagen wurden bisher in Hamburg zur Bundestagswahl ausgegeben, zehn Prozent mehr als vor vier Jahren. Für die Mitarbeiter in den Wahlämtern bedeutet das Mehrarbeit. Rudolf besteht darauf, dass sie von den Zahlen nicht überrascht worden seien. »Die Quote von Briefwählern war schließlich schon letztes Mal hoch.«

Immer mehr Menschen wählen per Brief
Die Metropolen Hamburg, Berlin und München zählen mittlerweile allein mehr als eine Million Briefwähler. Seit 2008 muss beim Antrag kein Grund mehr angegeben werden, warum man nicht persönlich im Wahllokal erscheinen kann. Vermutlich steigen die Zahlen auch deshalb so immens.

München hatte im Zuge der bayerischen Landtagswahl vergangene Woche eine Steigerung von 80 Prozent an Briefwählern gegenüber der letzten Wahl, zwischenzeitlich kamen die Wahlämter mit der Bearbeitung der Anträge nicht hinterher. Die Folge: 5000 ausgefüllte Stimmzettel erreichten die Behörden in München erst nach der Wahl. »Bei der Bundestagswahl bearbeiten wir die Anträge aber seit Dienstag tagesaktuell, haben also keinen Rückstand mehr«, sagt der stellvertretende Wahlleiter Peter Günther.

Beschwerde hilft wohl nicht mehr
Nicht bearbeitete Anträge kennt auch Jörg Fischer aus Berlin. Vor Wochen schon kümmerte sich der 44-Jährige um die Briefwahlunterlagen, die Behörde hätte den Stimmzettel aber erst vorgestern verschickt. Zu dem Zeitpunkt stand Fischer schon selbst im Amt, um sich zu beschweren.
Eine Beschwerde hilft den meisten Briefwählern jetzt aber auch nicht mehr. Denn viele nutzen diese Wahlart gerade, weil sie am Sonntag nicht in ihrem Heimatort sind. Ihre Stimme ist nun verloren. Denn selbst wenn bei ihnen noch Unterlagen eintreffen – gezählt wird nur der Stimmzettel, der bis Sonntag um 18 Uhr das heimatliche Wahllokal erreicht. Und das schafft die Post selbst mit Zustellquote jetzt definitiv nicht mehr.

[Quelle, wie auch oben genannt: Lina Timm vom Focus Verlag, Artikel: Briefwahl-Skandal: Bleiben Tausende Wähler ohne Stimme?]

2013-09-19. FREUNDE #6.

Ich zitiere wieder einmal einfach die Erzählung aus meinem Freundeskreis:

»Augemaß«

Mein ausgestreckerter linker Arm ist also exakt 2,5m lang.

Das hat mir der Fahrer eines DHL-Transporters beigebracht. Als er mich in einer uneinsehbaren Rechtskurve überholte, hätte ich den Spiegel mit Leichtigkeit einklappen können. An der nächsten Ampel dann wurde ich endlich aufgeklärt! Hätte niemals gedacht, daß das 2,5m waren, die mein Arm dort hätte überbrücken können.

Ich wollt ja echt freundlich bleiben und habe ihn nur gefragt, ob er schon mal etwas vom Sicherheitsabstand nach StVO gehört habe. Nun gut, als er mich dann anfuhr »das waren 2,5 Meter, du Spacken«, konnte ich mir den Kommentar nicht mehr verkneifen: »dann hälst du deinen mickrigen Schwanz wohl auch für 3 Meter lang, hä?«

Manchmal ist es schon praktisch, ein schnelles Fahrrad zu haben.

2013-09-06. MALHEUR #16.

In Fortsetzung zu »MALHEUR #0.« und in verblüffender Ähnlichkeit zu »FREUND #2.« hat es vor wenigen Minuten an meiner Tür geklingelt. Ich betätige den Summer. Nichts passiert. Ich stehe an meiner offenen Wohnungstür. Summe erneut. Nichts passiert. da höre ich ein Piepsen in der Treppenhaus-Etage unter mir.

Ich frage: »Halloo?«

Kommt ein gelb gekleideter Zusteller um die Ecke gelaufen, winkt mir kurz zu und stammelt, daß alles in Ordnung sei, er habe es unten abgeben können.

WARUM KLINGELT ER DANN »ERSATZWEISE« BEI MIR?!

2013-09-04. MALHEUR #15.

»Brieflaufzeiten

Täglich stellen wir bundesweit rund 64 Mio. Briefe zu. 95%* davon erreichen bereits nach einem Tag ihr Ziel – ein Spitzenwert, auch im internationalen Vergleich.

* Durch ein unabhängiges Qualitätsforschungsinstitut werden die Sendungen gemessen, die uns während der Annahmezeit oder bis zur letzten Briefkastenleerung erreichen und einen Tag nach der Einlieferung beim Empfänger ankommen.«
[Quelle]

Ich bin 0,00003125 0,0000015625 0,000000078125%*. >

* In meinen unabhängigen Briefkasten oder der DHL-Packstation werden nur die Sendungen gesteckt, die eine gute Reifezeit an unbekanntem Ort luftgetrocknet oder abgehangen wurden. Zur Zeit warte ich seit dem Mittwoch dieses Beitrages, das ist mittlerweile fünf sechs sieben zustellungsmögliche Tage her, auf einen Brief oben erwähnter Laufzeit, der leider auf den gelben Weg gebracht worden ist. Wenn 95% am nächsten Tag zugestellt werden, dann vom Rest vielleicht wiederum 95% am darauffolgenden, von dem Rest weitere 95% am Tag danach und so weiter, dann gehöre ich rein rechnerisch zu elitären 0,00003125 0,0000015625 0,000000078125% der deutschen Bevölkerung, da es bei der Zustellung erst am inzwischen heutigen Dienstag Mittwoch Donnerstag immernoch nicht endlich geklappt hat. Rechnerisch bin ich 0,06 Bundesbürger! Rechnerisch passiert der Inhalt dieses Kapitels meines Blogs nur einmal in knapp 16 deutschen Einwohnerzahlen!
Wir können letztenendes für die 283km eine durchschnittliche Liefergeschwindigkeit von 1,97 1,68 1,47km/h bestaunen. Zufuß wäre ich am Freitag, also vor mittlerweile 4 5 6 Tagen, angekommen.